Wer wir sind

Das RJBW besteht aus jungen Menschen aus verschiedenen antikapitalistischen Strömungen.
Wir handeln nicht auf eigene Faust, sondern treffen im Kollektiv Entscheidungen, für die wir auch gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Da in dieser Struktur verschiedene revolutionäre Positionen vertreten sind, orientieren wir uns an unseren Gemeinsamkeiten, nach denen wir politisch agieren.

Dieses Grundsatzpapier soll einen Überblick über unsere politischen Positionen verschaffen und ist die theoretische Grundlage unserer Praxis. Die folgende Auflistung unserer Positionen stellt keine Rangliste nach Wichtigkeit dar. Wir sehen zwischen verschiedenen Ausbeutungs- und Unterdrückungsmechanismen Zusammenhänge. Daher müssen die Herrschaftsverhältnisse in ihrer Gesamtheit bekämpft werden.

Klassenkampf

Wir sehen viele Ursachen der Konflikte unserer Gesellschaft und der Ausbeutung von Mensch und Natur in der Entstehung der Klassengesellschaft.
Die Gesellschaft ist kapitalistisch organisiert. Der Kapitalismus hat sich fast über alle Gesellschaften ausgebreitet, durchdringt immer weiter alle Lebensbereiche und eignet sich diese an. Die einen besitzen, was die andern durch ihre Arbeit erschaffen müssen, um zu leben; dies sind die herrschenden Eigentumsverhältnisse. Die verschiedenen gesellschaftlichen Klassen haben gegensätzliche Interessen, wobei das Recht auf Eigentum durch den bewaffneten Arm des Staates durchgesetzt wird. Durch das Eigentum von zB. Land, Immobilien, Konzerne oder Infrastruktur wird die Macht bei den Besitzenden monopolisiert, während der Rest der Gesellschaft davon ausgeschlossen ist. Dies ist ein Mechanismus, der das Fundament für Klassenherrschaft bildet. Daher streben wir eine klassenlose Gesellschaft durch die Aufhebung des privaten Eigentums an.
Wir stellen uns im Kampf für die befreite Gesellschaft an die Seite der Unterdrückten. Als Teil der Lohnabhängigen stehen für die Interessen unserer Klasse ein und wehren uns gegen die Angriffe der Herrschenden auf unsere Lebensverhältnisse und Emanzipationsbestrebungen.

Feminismus

Die kapitalistische Gesellschaft ist patriarchal strukturiert, das heisst geschlechterbasierte Unterdrückung ist fester Bestandteil der Struktur des Kapitalismus. Sie stützt sich auf die traditionellen Geschlechterrollen der bürgerlichen Kleinfamilie, indem der Frau die Aufgabe der Reproduktionsarbeit zukommt. Reproduktionsarbeit, sei es Betreuung, emotionale Unterstützung, Kochen, Putzen oder die tatsächliche Reproduktion von Arbeitskräften wird zu einem schlechten Lohn oder komplett gratis verrichtet. Die kapitalistische Produktionsweise ist heute nur durch die Überausbeutung von Personen in weiblich gewerteten Arbeiten überhaupt funktionsfähig. Die patriarchale und kapitalistische Produktionsweise ist nicht reformierbar und nur kollektiv, gesamtgesellschaftlich überwindbar. Deshalb kämpfen wir für einen revolutionären Feminismus!
Im Patriarchat der kapitalistischen Gesellschaft werden Personen binäre Geschlechter zugeteilt. Wir lehnen dieses binäre Denken ab und kämpfen für die Überwindung dieses gesellschaftlichen Konstruktes.
Die Fremdbestimmung und gewaltvolle Abwertung des Weiblichen zeigt sich in alltäglichen Situationen wie zum Beispiel durch Catcalling oder Mansplaining, sie zeigt sich durch Lohnungleichheiten oder durch sexualisierte Gewalt auf der Strasse und am Arbeitsplatz und schlussendlich überdeutlich in den endlich als solche benannten Femiziden.
In unserer Praxis reflektieren wir Sexismus und patriarchale Verhaltensweisen mit Genoss*innen um dann gemeinsam den Kampf auf die Strasse zu tragen.
Feuer und Flamme dem Patriarchat!

Ökologie

Die Klimakrise verschärft sich immer weiter und die ökologische Zerstörung schreitet rasant voran. Diese Entwicklung findet statt, weil der Kapitalismus auf Wachstum basiert und sich laufend neue Bereiche aneignet und verwertet. Dieser Wachstumszwang zerstört die Lebensgrundlage von Mensch und Natur und zeigt auf, dass dieses System nicht für die Bedürfnisse der Menschen, die darin leben, produziert. Vielmehr wird für kurzfristige Profitinteressen einiger wenigen produziert.
Die Klimakrise ist nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale Krise, die auf dem Rücken der Lohnabhängigen im globalen Süden aber auch allgemein verschärft sich der Gegensatz zwischen den Klassen und die Herrschenden versuchen die Verluste zu vergesellschaften und die Gewinne zu privatisieren

Antirassismus

Seit der Entstehung des Kapitalismus wird dieser vom Rassismus begleitet. Rassismus ist nach wie vor ein wichtiges Instrument zur Aufrechterhaltung und Anhäufung von Macht und Kapital; die neo-koloniale Ausbeutung des Globalen Südens, Arbeiter*innen die überausgebeutet werden, die Legitimierung einer abschottenden und mordenden Grenzpolitik und rassifizierte Gewalt in den kapitalistischen Zentren die Spaltung der Gesellschaft sind nur Beispiele für den strukturellen Rassismus, der tief in der kapitalistischen Gesellschaft verankert ist und die Lohnabhängige Klasse spaltet. Diese Spaltung entlang ethnischer oder nationaler Grenzen ist ein Herrschaftsinstrument, das Klassensolidarität verhindert und eine noch stärkere Ausbeutung legitimiert. Rassismus findet täglich statt und ist strukturell und kulturell tief in unserer Gesellschaft verankert. Dem setzen wir eine klar antirassistische Haltung entgegen.

Antifaschismus

Der Faschismus ist eine immer drohenden Gefahr im Kapitalismus. Ein Ziel des Faschismus ist es, eine Spaltung der Gesellschaft durch verschiedene Unterdrückungsmechanismen. Er ist das andere Gesicht der bürgerlichen Herrschaft, wenn sich die Krise verschärft und ist der Faschismus immer eine Option für die Herrschenden, um ihre Interessen mit Gewalt und Kontrolle durchzusetzen. So verschärft er den Klassenkampf zugunsten des Kapital und gegen die Lohnabhängigen. Dem setzen wir eine klar antifaschistische Haltung entgegen, die Rassismus, Nationalismus und Sexismus entschieden bekämpft. Kein Fussbreit den Faschisten!

Internationalismus

Die Lohnabhängige Klasse ist global wie der Kapitalismus und kennt keine nationale Grenzen, deswegen muss unser Kampf für ihre Befreiung internationalistisch sein. Wie der Rassismus ist auch Nationalismus ein Spaltungsmechanismus im Interessen der Herrschenden. Wir lassen uns nicht durch spalten, sondern solidarisieren uns mit emanzipatorischen Kämpfen weltweit und finden es wichtig, mit anderen revolutionären und antikapitalistischen Strukturen und Bewegungen zu kooperieren und von ihnen zu lernen. Die Befreiung muss weltweit passieren!

Autonomie

Wir arbeiten nicht mit bürgerlichen Institutionen, Konzernen und Parteien zusammen. Denn selbst wenn sie Wandel versprechen, stützen und verwalten sie das System, das wir bekämpfen. Wir sind uns einig in einer klaren Bruchposition gegenüber dem Staat und den Herrschenden Klassen. Diese Herrschaftsstrukturen ergänzen sich gegenseitig. Sie nutzen ihre Macht, um die Eigentumsordnung zu sichern.
Diese Verhältnisse wollen wir Schulter an Schulter verändern. Nur wer sich kollektiv von unten organisiert, kommt gegen die Macht des Kapitals und des Patriarchats an!
Um das Ziel der befreiten Gesellschaft zu erreichen, müssen sich die Unterdrückten gemeinsam zur Wehr setzen. Denn die Herrschenden geben ihre Privilegien nicht freiwillig auf, sondern verteidigen diese mit Waffengewalt und der Integration des Widerstandes in die bestehende Ordnung. Integration in die herrschende Ordnung kann durch die Eingliederung widerständiger Elemente in die parlamentarische Politik, in kapitalistische Unternehmen wie NGOs oder ökologische Start-ups und Abwälzung der Verantwortung auf individuelle (Konsum-) Entscheidungen erreicht werden. Trotz unserer klar ausserparlamentarischen Position verteidigen wir fortschrittliche Tendenzen der Gesellschaft, auch wenn diese parlamentarische Errungenschaften beinhalten, wie zum Beispiel das Recht auf Abtreibung. Aber für uns passiert Politik auch vor allem auf der Strasse und überall da wo wir uns selbst organisieren um unseren Kampf für das gute Leben in die eigenen Hände zu nehmen.

Was machen wir?

Wir mobilisieren und kämpfen gemeinsam. Unsere politische Praxis wird in einem kollektiven Prozess mithilfe theoretischer Grundlagen entwickelt. Deshalb ist die theoretische Bildung durch das regelmässige, gemeinsame Lesen und Diskutieren ein wichtiger Bestandteil unserer Praxis, welche wir gemeinsam immer weiterentwickeln. Auch wenn wir dabei unterschiedliche Wissensstände und Positionen haben, versuchen wir durch Diskussionen, Widersprüche und ein gemeinsames Verständnis zu finden.
Politik von unten zu machen ist vielseitig. Dazu gehört das Organisieren von Aktionen und Demos sowie auch das Vorbereiten von Vorträgen, Workshops und Diskussionsrunden.
Ausserdem unterstützen wir andere emanzipatorische Projekte mit dem Anspruch, die Vernetzung und Stärke des Widerstandes zu fördern.
Wir wollen sichtbare Akteur*innen in der Öffentlichkeit sein und das Kräfteverhältnis zugunsten einer revolutionären Perspektive verschieben.